Weltgeschichte

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Tsunamis

Der Untergang von Lissabon

Eine der folgenreichsten Naturkatastrophen der Neuzeit zerstörte am 1. November 1755 die portugiesische Hauptstadt Lissabon. Rund 60’000 der etwa 250’000 Einwohner verloren dabei ihr Leben.

Um 9.40 Uhr wurde ein erster gigantischer Erdstoss in der Region registriert. Kurz darauf folgte ein weiteres, zwei Minuten dauerndes Beben. Kirchen, Paläste, Brücken und Türme stürzten in sich zusammen. Eine dritte Erschütterung versetzte der damals zu den Kulturhauptstädten Europas gehörenden Stadt den Todesstoss. Eine riesige Staubwolke verdunkelt den Himmel, bevor die Stadt in Flammen aufging. Die massive Erschütterung war in ganz Europa und bis nach Afrika zu spüren. In Schottland und der Schweiz stiegen die Wasserstände der Seen, in Holland und Schweden wurden Schiffe aus ihren Verankerungen gerissen.

Als die Einwohner vor den Flammen an das Tejoufer flüchteten, wurden sie von einer riesigen Flutwelle überrascht. Das Beben, dessen Epizentrum einige hundert Kilometer vor der Küste im Bereich der Azorenschwelle lag, hatte einen Tsunami ausgelöst. Es war wohl einer der grössten Tsunamis in europäischen Gewässern. Der ganze Hafenbezirk Lissabons wurde von mehreren bis zu 15 Meter hohen Tsunamiwellen heimgesucht, die das gesamte Areal komplett überfluteten.

Tsunami

Japanische Fischer gingen früher davon aus, dass die Naturkatastrophe nur im Hafen auftritt, weil sie die Riesenwelle auf See nicht bemerkt hatten. Als sie eines Tages nach der Arbeit in ihren total verwüsteten Heimathafen zurückkehrten, gaben sie dem Phänomen den Namen Tsunami – „Grosse Welle im Hafen“.

Ein Tsunami entsteht im offenen Ozean, wenn plötzlich grosse Wassermassen verdrängt werden. Das geschieht zum Beispiel durch Vulkaneruptionen, Rutschungen an Kontinentalhängen, vor allem aber durch Erdbeben, die eine Stärke von 6,5 und mehr auf der Richterskala erreichen.

TsunamiAuf offener See spürt man von Tsunamis meistens nichts oder nicht mehr als ein leichtes schaukeln. Bei einer Wellenlänge von 150 Kilometern und mehr sind sie wahrscheinlich nicht einmal einen Meter hoch. ‚Normale‘ Wellen, die durch Windstürme entstehen, sind selbst bei Orkanstärke selten länger als 400 Meter und werden kaum über 10 Meter hoch. Dabei können sie Geschwindigkeiten von 90 Kilometern pro Stunde erreichen.

Im Gegensatz dazu bewegen sich Tsunamis bis zu einer Tiefe von 4000 Metern und erreichen Spitzengeschwindigkeiten von 1000 Stundenkilometer.

Fatal wird es, wenn ein Tsunami das Küstengebiet erreicht. Steigt der Meeresboden zur Küste hin an, verliert die Welle rasch an Geschwindigkeit. Da die nachfolgenden Wassermassen jedoch weiter nach vorne drängen, türmt sich eine Welle von enormer Höhe auf, die nicht selten 30 Meter erreichen.

Die verheerendsten Tsunamis